Der Erste und der Letzte pdf

Wer ist damit gemeint, wenn in der Bibel gesagt wird: "Ich bin der Erste und der Letzte"? Sowohl Gott als auch der Herr Jesus Christus gebrauchen diese Worte. Das ist für nicht wenige Christen mit ein Grund, anzunehmen, dass es sich dabei um denselben handelt, also dass Jesus Christus Gott selbst ist. Ist das wirklich so? Ist Jesus Christus der Gott des AT bzw. der Gott der ganzen Bibel?

Gott (JHWH) bezeichnet sich selbst in Jes 44,6 und Jes 48,12 als

der Erste und der Letzte.

Jesus Christus bezeichnet sich selbst in Off 1,17 und 2,8 als

der Erste und der Letzte.

Liegt hier eine sogenannte Personal-Union vor, spricht in beiden Fällen Derselbe? Oder gibt es zwei Erste und Letzte? Wie kann die eine Sichtweise eindeutig belegt und somit die andere klar ausgeschlossen werden?

 

ErsterIn unserer Logik werden wir bei dieser Frage wahrscheinlich nicht fündig werden, denn da ist der Eine der Erste und somit der Andere der Letzte – und umgekehrt. Dass jedoch einer zugleich Erster und Letzter ist, widerspricht unserer Logik – außer es gibt eben nur einen. Aber dann wird man nicht sagen, dass dieser eine zugleich Erster und Letzter ist.

Hinzu kommt, dass Gott sagte in Jes 41,4:

Ich, der HERR, bin der Erste, und bei den Letzten bin ich derselbe.

Es gibt offensichtlich außer IHM noch weitere „Letzte“, aber ebenso offensichtlich scheint es mir, dass dies in einer anderen Hinsicht zu verstehen ist. Darüber hinaus sprach der Herr Jesus davon, dass es viele Erste gibt, die Letzte sein werden – und umgekehrt:

Mt 19,30 Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein.

Mk 10,31 Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein.

Lk 13,30 Und siehe, es sind Letzte, die Erste sein werden, und es sind Erste, die Letzte sein werden.

In einem Gleichnis gebrauchte der Herr Jesus diese Begriffe ebenfalls:

Mt 20,8 Als es aber Abend geworden war, spricht der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn, angefangen von den letzten bis zu den ersten! […] Vers 16: So werden die Letzten Erste und die Ersten Letzte sein; denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.

Als Jesus seine Jünger lehrte, sagte er zu ihnen in Mk 9,35:

Wenn jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und aller Diener sein.

 

Der Befund

Jetzt haben wir den Befund in der Bibel, dass neben Gott und Jesus wirklich noch viele andere Erste und Letzte genannt werden, was uns der Antwort auf die eingangs gestellte Frage eher nicht näher bringt. Deswegen möchte ich zur Vereinfachung zunächst die vielen anderen Ersten und Letzten unberücksichtigt lassen und nur nach Gott und Jesus fragen. Dazu noch einmal die jeweils beiden relevanten Verse aus dem AT und NT.

Gottes Aussage im AT:

So spricht der HERR, der König Israels und sein Erlöser, der HERR der Heerscharen: Ich bin der Erste und bin der Letzte, und außer mir gibt es keinen Gott. (Jes 44,6)

Höre auf mich, Jakob, und Israel, mein Berufener! Ich bin, der da ist, ich der Erste, ich auch der Letzte. (Jes 48,12)

Jesu Aussage im NT:

Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Hades. (Off 1,17-18)

Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Dies sagt der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig wurde. (Off 2,8)

Gewisse Unterschiede sind bereits hier erkennbar zwischen AT und NT. Der Erste und Letzte des AT sagt zugleich, dass es außer ihm keinen Gott gibt, während der Erste und Letzte im NT tot war und wieder lebendig wurde. Da Gott per biblischer Definition unsterblich ist (1.Tim 6,16), kann es sich nicht um denselben Sprecher handeln. Sollte es sich dabei dennoch um denselben handeln, so hätte das mehrere weitreichende Konsequenzen:

  • dann wäre der alleinige Gott tot gewesen und wieder lebendig geworden (5.Mo 4,39)
  • dann wäre Jesus nicht der Sohn Gottes, sondern Gott selbst (Joh 10,36)
  • dann hätten wir keinen Hohepriester, der für uns vor Gott eintritt (Hebr 7,26f)
  • dann wären die Apostel tatsächlich falsche Zeugen Gottes (1.Kor 15,15)
  • dann wäre das Zeugnis Gottes über Jesus nicht wahr (2.Pet 1,17; 1.Joh 5,10)
  • dann hätte Jesus keinen Vater im Himmel (Mt 10,32-33)
  • dann hätte Gott nicht seinen Sohn gesandt (Joh 3,16)

und vieles andere mehr.

Das hieße, dass wirklich die gesamte Bibel umgeschrieben oder umgedeutet werden müsste, wo immer sie von Gott und Jesus spricht.

Alternativ müsste nur der Gedanke aufgegeben werden, dass Jesus JHWH ist. Das scheint jedoch für viele eine Unmöglichkeit zu sein, auch wenn sie auf das „Sola Scriptura“ (= allein die Schrift) der Reformation pochen.


Wer wirklich bereit ist, seine Gedanken der Heiligen Schrift zu unterstellen, den möchte ich gerne auf weitere Details in dieser Sache hinweisen, noch dazu im unmittelbaren Kontext der Worte Jesu, der Erste und der Letzte zu sein.

Zuerst stellt sich der Herr Jesus dem Johannes in der Offenbarung vor mit den Worten aus 1,17-18

Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Hades.

Einmal mit diesen Worten, aber auch mit anderen, stellt sich Jesus den sieben Gemeinden vor. Diese möchte ich hier gerne anführen. Sie beginnen jeweils mit:

Dies sagt …

  • der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt (2,1)
  • der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig wurde (2,8)
  • der das zweischneidige, scharfe Schwert hat (2,12)
  • der Sohn Gottes, der Augen hat wie eine Feuerflamme und Füße gleich glänzendem Erz (2,18)
  • der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat (3,1)
  • der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, und niemand wird schließen, und schließt, und niemand wird öffnen (3,7)
  • der "Amen" heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes (3,14)

Der Erste und der Letzte ist hier also der Sohn Gottes – nicht Gott selbst. Zudem spricht „der Erste und der Letzte“ in 3,2 und 3,12 insgesamt fünf Mal von seinem Gott. Der Erste und Letzte stellt sich vor als der „Sohn Gottes“ und als den „Anfang der Schöpfung Gottes“, niemals jedoch als „Gott“ oder als „außer mir gibt es keinen Gott“ (Jes 44,6). Jesus spricht als „der Heilige, der Wahrhaftige“ (3,7) im Kontext zu derselben Gemeinde in 3,12 von seinem Gott. Er (der Heilige, der Wahrhaftige) sagt:

Wer überwindet, den werde ich im Tempel meines Gottes zu einer Säule machen, und er wird nie mehr hinausgehen; und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herabkommt von meinem Gott, und meinen neuen Namen.

Der „Erste und Letzte“ redet wiederholt von seinem Gott. Das alles zu ignorieren, indem man darauf beharrt, dass Jesus JHWH sei, weil beide sich als „der Erste und der Letzte“ bezeichnen, entspricht durchaus heutiger Theologie, verfälscht jedoch ganz gewaltig das Zeugnis der Heiligen Schrift.

Nebenbei möchte ich darauf aufmerksam machen, dass diejenigen, die Jesus als JHWH bezeichnen, unbemerkt die Trinitätslehre zunichtemachen, denn sie eliminieren den Sohn Gottes. Übrig bleibt bestenfalls ein verkappter Modalismus (= der eine Gott zeigt sich auf verschiedene Arten, hinter verschiedenen Masken).

Allerdings bleibt die Frage bestehen: wie ist das gemeint, wenn Gott sich selbst als den Ersten und Letzten bezeichnet, und Jesus dies für sich und viele andere ebenso tut? Ist damit eine zeitliche Aussage, eine Abfolge gemeint? Oder geht es vielmehr um den Rang, das Ansehen, die Position? Dass die vielen Ersten, die schlussendlich die Letzten sein werden (und umgekehrt), dies in einer ganz anderen Hinsicht sind als es Gott ist, dürfte klar sein. Dass Jesus von Gott durch seinen Geist gezeugt wurde und deshalb Gottes Sohn ist, der am Ende das Reich dem Gott und Vater übergibt, damit Gott alles in allem sei (1.Kor 15,28), verdeutlicht ebenso, dass Jesus nicht im absoluten Sinn Erster und Letzter ist. Jesus ist der einzige Weg zu Gott. Wir wiederum können anderen den Weg zum Weg (zu Jesus Christus) und zum Ziel (zum Vater) zeigen. Somit wäre Gott derjenige, der alles "umklammert". Er wiederum hat alles Jesus in die Hände gegeben bzw. seinen Füßen unterworfen.

 

So steht geschrieben…

Es steht fest – oder besser: es steht geschrieben, dass Jesus, der Messias, einerseits nach Gottes Willen zerschlagen wurde (der Letzte) – und andererseits von Gott über alles erhoben wurde (der Erste).

Einerseits:

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. (Jes 53,3, Luther)

Doch dem HERRN (JHWH) gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. (Jes 53,10)

Denn in dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, sowohl Herodes als auch Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels, alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss vorherbestimmt hat, dass es geschehen sollte. (Apg 4,27-28)

Die Propheten forschten, auf welche oder auf was für eine Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er die Leiden, die auf Christus kommen sollten, und die Herrlichkeiten danach vorher bezeugte. (2.Pet 1,11)

Andererseits:

Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. (Mt 28,18)

"Denn alles hat er seinen Füßen unterworfen." Wenn es aber heißt, dass alles unterworfen sei, so ist klar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. (1.Kor 15,27)

Und alles hat er seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben. (Eph 1,22)

Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist. (Phil 2,9)

„Du hast alles unter seine Füße gelegt." Denn indem er ihm alles unterwarf, ließ er nichts übrig, das ihm nicht unterworfen wäre; jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen. (Heb 2,8)

Aus diesen Versen wird ersichtlich, dass Jesus Christus das ganze Spektrum abdeckt: Er war der Allerverachteste und wurde danach über alles erhoben. Er war der Geringste und wurde zum Höchsten gemacht. Er wurde von Gott zerschlagen und von Gott zum Obersten gesetzt. Und bei alledem ist es völlig logisch, dass Jesus nicht Gott ersetzt, sondern Gott weiterhin über Jesus steht:

Wenn es aber heißt, dass alles unterworfen sei, so ist klar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn ihm aber alles unterworfen ist, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei. (1.Kor 15,27-28)

Alle Hoheit, Macht und Herrlichkeit, die der Herr Jesus nun hat, hat er von Gott erhalten. Das sagen die genannten Bibelstellen eindeutig.

Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass Jesus in Heb 12,2 der Anfänger und Vollender unseres Glaubens genannt wird. Ist er demnach auch in dieser Hinsicht Erster und Letzter? Wenngleich ich es nicht hieb- und stichfest belegen kann, so liegt doch die Vermutung m.E. sehr nahe.

 

Fazit

Obwohl die Formulierung Erster und Letzter - allein auf eine Person bezogen - für mich nicht völlig verständlich ist, so ist es doch völlig offensichtlich, dass Jesus nicht JHWH ist, auch wenn beide diese Formulierung gebrauchen. Es dürfte somit auch hinlänglich klar sein, dass Jesus nicht derjenige ist, der nicht nur im AT, sondern auch im NT und somit der gesamten Bibel als Gott beschrieben wird. Der Gott der gesamten Heiligen Schrift ist der Vater des Herrn Jesus Christus. Er ist zugleich auch der Gott des Herrn Jesus Christus. Ich meine, die angeführten Schriftstellen – und nicht nur diese - lassen keinen anderen Schluss zu.

 

   

Bücher  

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Sohn Gottes oder Gott selbst?

 

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Kommentare zum Buch von Jürgen Laub

 

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(momentan leider vergriffen)

 

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