(Vortrag von Stephan Gerber bei der GOTT ist EINER-Konferenz am 23. Mai 2022)pdf-Download

 

Das Reich Gottes – der zentrale Punkt in der Lehre Jesu

Wenn wir über das Reich Gottes reden, so reden wir über den zentralen Punkt im Evangelium von Jesus Christus. Sowohl er selbst, als auch seine Apostel haben das Reich Gottes (manchmal auch nur „das Reich“) gepredigt. Unter diesem Begriff fasst z.B. Paulus seinen dreijährigen Dienst in Ephesus zusammen (Apg 20,25). Zugleich zieht sich dieses Thema durch die gesamte Heilige Schrift, mal mehr, mal weniger offensichtlich, aber es ist das Ziel von allem, nämlich das Reich Gottes / die Königsherrschaft Gottes für die ganze Welt aufzurichten. Das war bereits der Zweck, wofür Gott die ersten Menschen erschaffen hatte:

Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen! (1.Mo 1,26b)

Gott hat die Menschen demnach nicht geschaffen als seine Gegenüber oder um Gemeinschaft mit ihnen zu haben. Auch nicht um seiner Anbetung willen oder aus irgendeinem sonstigen Grund, sondern ganz einfach um zu herrschen. Nicht tyrannisch und zerstörerisch, sondern um „zu bebauen und zu bewahren“, wie in 1.Mo 2,15 geschrieben steht. Und diese Art der Herrschaft finden wir auch ganz am Ende der Bibel, am Ende der Tage und am Ende der Geschichte der Menschheit wieder: Das Volk der Heiligen des Höchsten / die Nachkommenschaft Abrahams / die in Jesus Christus Gläubigen aus allen Nationen (samt Israel) werden als der Leib des Christus und mit dem Christus als ihrem Haupt herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit (Off 22,5). Wobei hierzu anzumerken ist, dass Israel nicht als „Anhängsel“ der Nationen anzusehen ist, sondern im Gegenteil: Das Zentrum des kommenden Reiches Gottes ist nicht Rom oder Berlin, nicht Moskau oder New York, nicht Mekka oder Peking, sondern allein Jerusalem, Gottes auserwählte Stadt in Gottes auserwähltem Land.

Das ist der ganz große Bogen, von dem die Bibel berichtet. Was Gott am Anfang geschaffen hatte, aber durch die Sünde der Vergänglichkeit unterworfen wurde, wird am Ende wiederhergestellt werden, wovon die heiligen Propheten Gottes von jeher geredet haben, wie Apg 3,21 sagt (ganz am Ende zitiert).

Wenn wir also über das Reich Gottes reden, reden wir nicht über eine Randerscheinung oder etwas Vergängliches, sondern über das Ziel aller Dinge, die Gott geschaffen hat, über das, worauf alle Dinge hinauslaufen und was „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (von Zeitalter zu Zeitalter) Bestand haben wird. Damit verknüpft ist zugleich eine Mahnung des Herrn Jesus, enthalten in seiner Auslegung zum Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld:

Sooft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht, kommt der Böse und reißt weg, was in sein Herz gesät war; dieser ist es, bei dem an den Weg gesät ist. (Mt 13,19)

Verständnis in diesen Dingen ist also von großer Bedeutung, jedoch nicht immer einfach zu erlangen. So besteht jetzt die Herausforderung einerseits an die Zuhörer bzw. Leser dieses Artikels, sich um Verständnis zu bemühen, andererseits an mich, die Sache verständlich darzulegen. Und über dem allem möge Gott, unser Vater, uns Verständnis und Einsicht geben. Darauf sind wir alle vor allem angewiesen.

 

Das Reich Gottes im NT

Das Markus-Evangelium beginnt mit einem kurzen Bericht über Johannes den Täufer, und wie er auf den hinwies, der nach ihm kommt, auf Jesus. Danach wird mit knappen Worten die Taufe Jesu und sein 40-tägiger Aufenthalt in der Wüste erwähnt, um dann vom Anfang des Wirkens Jesu mit folgenden Worten zu schreiben:

Und nachdem Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahegekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! (Mk 1,14-15)

Ähnlich findet es sich auch in den anderen Evangelien – Jesus selbst predigte das Reich Gottes / Reich der Himmel / Himmelreich und gebot ebenso seinen Jüngern, das zu tun, als er sie aussandte (Mt 10,7). Viele der Gleichnisse Jesu, besonders in Mt 13, reden vom Reich der Himmel. Das Austreiben von Dämonen ist ein weiterer Hinweis darauf:

Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen. (Lk 11,20)

Zuvor im selben Kapitel, Lk 11,2, lehrte Jesus seine Jünger zu beten „… dein Reich komme …“, wie auch in Mt 6,10, beide Male im „Vater unser“.

Was nun? War das Reich Gottes schon da, oder sollten sie beten, dass es komme? Und woran kann das eine oder andere erkannt werden? Das wird zusätzlich noch etwas fraglicher durch Lk 17,20-21

Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte; auch wird man nicht sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Ich persönlich glaube, dass im Grunde das Reich Gottes durch den Herrn Jesus verkörpert wird. Das bedeutet, dass…

  • zur Zeit von Johannes dem Täufer das Reich Gottes nahegekommen ist, denn Jesus war schon da, aber noch nicht öffentlich aufgetreten (Mt 3,2)
  • mit Jesu Auftreten bzw. Seiner Gegenwart das Reich der Himmel mitten unter dem Volk war (Lk 11,20. siehe oben)
  • es jetzt inwendig in den Glaubenden ist, indem „der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohnt“ (Eph 3,17)
  • wenn Jesus wieder kommt in Macht und Herrlichkeit, das Reich Gottes offensichtlich anbrechen / errichtet wird (Jes 2,2-4)

Dies sind meines Erachtens die drei Hauptaspekte, die im NT genannt werden

nahe gekommen / mitten unter euch / wird kommen

Nach meiner bisherigen Erkenntnis gehe ich davon aus, dass das Reich Gottes da ist, wo Jesus Christus ist, selbst wenn es nicht nach außen hin sichtbar wird. Somit war es zur Zeit Jesu aufgrund seiner Gegenwart und auch seines Wirkens „mitten unter dem Volk Israel“ und ist es auch heute in denen, die an Jesus glauben. Aber ich gehe auch davon aus, dass das Reich Gottes kommen wird in Macht und Herrlichkeit, wenn Jesus mit eben diesen Attributen wiederkommt. Das war die Erwartung des Volkes Israel und auch seiner Jünger damals, es war im Grunde das, was in den Propheten unzählige Male angekündigt wurde, so auch zuletzt vom Engel Gabriel unmittelbar vor Jesu Geburt. Direkt vor Jesu Himmelfahrt wiederum fragten ihn seine Jünger, ob er jetzt in dieser Zeit für Israel das Reich wiederherstellen werde (nachdem er sie nach seiner Auferweckung etwa sechs Wochen lang über das Reich Gottes unterrichtet hatte (Apg 1,3)).

Auf das kommende Reich Gottes möchte ich nun im weiteren Verlauf mein Augenmerk richten, weniger auf das, was durch den Glauben in uns ist, jedoch ohne dies zu schmälern.

Zu Beginn ein paar Worte aus den Reden Jesu, die verdeutlichen, dass mit Himmelreich, Reich der Himmel und Reich Gottes dasselbe gemeint ist:

Ich sage euch aber, dass viele von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tisch liegen werden in dem Reich der Himmel (Mt 8,11)

Und sie werden kommen von Osten und Westen und von Norden und Süden und zu Tisch liegen im Reich Gottes. (Lk 13,29)

Diese beiden Verse haben im Grunde den gleichen Inhalt, unterscheiden sich nur darin, dass Matthäus hier (wie auch sonst so gut wie immer) vom Reich der Himmel / Himmelreich redet, während Markus, Lukas und Johannes „Reich Gottes“ gebrauchen. Aber damit dürfte bei allen dasselbe gemeint sein. Sie alle reden / schreiben oft vom Reich Gottes, am meisten von allen wohl Lukas. (Johannes hat nicht so viele Verweise auf das Reich Gottes wie die anderen Evangelisten, nur im Gespräch mit Nikodemus und vor Pilatus redet das Johannes-Evangelium deutlich davon)

Dass Gottes Reich / Königsherrschaft / das Königreich Gottes (griech.: Basileia) kommen wird, es sich somit offensichtlich nicht auf das Innwendige beschränkt, machen unter vielen anderen die folgenden Verse deutlich:

Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an! (Mt 25,34)

Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag. (Lk 17,24)

…sie meinten, dass das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte. Er sprach nun: Ein hochgeborener Mann zog in ein fernes Land, um ein Reich für sich zu empfangen und wiederzukommen. (Lk 19,11-12)

Ich sage euch aber, dass ich von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken werde bis zu jenem Tag, da ich es neu mit euch trinken werde in dem Reich meines Vaters. (Mt 26,29)

Dies sind ein paar Beispiele aus den Reden Jesu vom kommenden Reich. Es wird uns nicht möglich sein, hier nun auf alle Stellen in der Heiligen Schrift einzugehen, die vom Reich Gottes sprechen. Da empfehle ich jedem, selbst aufmerksam zu sein beim Bibellesen, wie oft vom Reich Gottes geschrieben steht bzw. das Stichwort „Reich“ als Suchbegriff zu wählen bei elektronischen Suchhilfen und Konkordanzen.

Besonders empfehlen möchte ich ein eigehendes Studium des Gleichnisses von den anvertrauten Pfunden, das der Herr Jesus in Lk 19,11-27 erzählt, denn ich sehe darin eine Umschreibung seiner selbst. Er selbst dürfte dieser Hochgeborene sein, der nun bei seinem Vater ist, bis zur Zeit der Wiederherstellung aller Dinge (Apg 3,21). Wenn Jesus wieder kommt, wird er mit seinen Heiligen in alle Ewigkeiten herrschen, wie wir im Folgenden noch sehen werden. Das ist dann die neue Erde und die neuen Himmel, welche die Offenbarung und andere Abschnitte der Bibel ankündigen.

 

Das Reich Gottes im AT

Schon im AT ist oft vom zukünftigen Reich Gottes die Rede. Bei David sehen wir zum Beispiel Gottes Verheißung von der ewigen Herrschaft des Messias. In besonderer Weise jedoch hat Gott seine Absichten dem Prophet Daniel geoffenbart. Daraus will ich hier ein paar Stellen nennen:

Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das ewig nicht zerstört werden wird. Und das Königreich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird all jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber wird es ewig bestehen... (Dan 2,44)

Zur Erklärung: Nebukadnezar, der damalige Weltherrscher, hatte einen Traum, in welchem Gott ihm zeigte, was nach ihm alles geschehen wird, jedoch verstand er ihn nicht. Durch Gottes Offenbarung konnte Daniel im schließlich nicht nur den Traum, sondern auch seine Deutung nennen. Es ist der Traum von dem gewaltigen Standbild, dessen Haupt aus Gold war, dessen Brust und Arme aus Silber, dessen Bauch und Lenden aus Bronze, dessen Schenkel aus Eisen, und dessen Füße und Zehen teils aus Eisen und teils aus Ton. Diese 5 Abschnitte bedeuten 4 Reiche. Zur Zeit des letzten Reiches (Eisen und Ton) wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das ewig nicht zerstört werden wird. Es wird an die Stelle aller bisherigen Reiche treten und jene dermaßen pulverisieren, dass man keine Spur mehr von ihnen finden wird.

 Hören wir auf die Worte Daniels, die sich an vorgenannten Vers anschließen:

… wie du gesehen hast, dass von dem Berg ein Stein losbrach, und zwar nicht durch Hände, und das Eisen, die Bronze, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte. Ein großer Gott lässt den König wissen, was nach diesem geschehen wird; und der Traum ist zuverlässig und seine Deutung zutreffend. (Dan 2,45)

Das Ende von Nebukadnezars Traum ist in Vers 35 beschrieben und lautet:

Da wurden zugleich das Eisen, der Ton, die Bronze, das Silber und das Gold zermalmt, und sie wurden wie Spreu aus den Sommertennen; und der Wind führte sie fort, und es war keinerlei Spur mehr von ihnen zu finden. Und der Stein, der das Bild zerschlagen hatte, wurde zu einem großen Berg und erfüllte die ganze Erde.

Dies ist ein Bild für den Herrn Jesus, wie wir an weiteren Stellen sehen werden. Zunächst aber wollen wir noch ein paar Verse bei Daniel betrachten. Dass Gott nämlich die Macht über die Könige der Erde hat - und dies ist bis heute so - musste Nebukadnezar hier am eigenen Leib schmerzhaft erfahren. In Kapitel vier lesen wir einen Bericht, den der König selbst verfasst hat und welcher sehr bemerkenswert ist, sowohl heute als auch zukünftig. Denn die Prophetie von Daniel gilt für die Zeit des Endes und enthält zugleich immergültige Aussagen. Mit folgenden Worten leitet Nebukadnezar seine Kunde ein:

Der König Nebukadnezar an alle Völker, Nationen und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnen: Euer Friede werde groß! Es schien mir gut, die Zeichen und Wunder kundzutun, die der höchste Gott an mir getan hat. Wie groß sind seine Zeichen und wie mächtig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht! (Dan 3,31-33)

Schon hier ist vom ewigen Reich und der Herrschaft Gottes die Rede. Das wurde für Nebukadnezar offenbar, obwohl es bis heute im Wesentlichen noch immer verborgen ist. Durch Nebukadnezars Erlebnisse sollten alle Lebenden etwas Wichtiges erkennen:

… damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es verleiht, wem er will, und den Niedrigsten der Menschen darüber einsetzt. (Dan 4,14)

Das ist zunächst die Beschreibung der generellen Macht Gottes und seines verborgenen Wirkens in der Geschichte der Menschheit, es ist aber meines Erachtens zugleich ein Hinweis darauf, dass einst der Herr Jesus Christus über das Königtum aller Menschen eingesetzt werden wird, denn er war lt. Jes 53 der niedrigste aller Menschen. Er war gehorsam bis zum Tod, sogar bis zum Tod am Fluchholz. Darum hat Gott ihn so hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über alle Namen ist. Die Zungen aller werden einst bekennen, dass Jesus, der Gesalbte Gottes, der Herr ist, zur Ehre Gottes, das Vaters (Phil 2,9-11). Das heißt, dass, wenn wir Jesus als Herrn bekennen, damit zunächst Jesus geehrt wird in der Stellung, in die er von Gott eingesetzt wurde, und zugleich Gott, der Vater, geehrt wird, der ihn dazu gemacht hat (Apg 2,6).

Doch zurück zu Nebukadnezar. Ihm wurde angekündigt, dass er so lange verstoßen und erniedrigt sein würde…

… bis du erkennst, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem er will. (Dan 4,22)

… bis du erkennst, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es verleiht, wem er will. (Dan 4,29)

Und so geschah es denn auch nach sieben Jahren:

Am Ende der Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel, und mein Verstand kehrte zu mir zurück. Und ich pries den Höchsten, und ich rühmte und verherrlichte den ewig Lebenden, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt. Und alle Bewohner der Erde sind wie nichts gerechnet, und nach seinem Willen verfährt er mit dem Heer des Himmels und den Bewohnern der Erde. Und da ist niemand, der seiner Hand wehren und zu ihm sagen könnte: Was tust du? Zu derselben Zeit kehrte mein Verstand zu mir zurück (Dan 4,31-33)

Als Nebukadnezar die Herrschaft Gottes erkannte, kehrte sein Verstand zu ihm zurück. Das liest sich so beiläufig, aber ich glaube, dass hier eine weitere Aussage zu beachten ist: Einsicht und Verstand hängen demnach mit der Erkenntnis Gottes zusammen, so wie die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit ist. Wer erkennt heute, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen? In den Zeitungen und anderen Medien ist das nicht zu finden, aber die Heilige Schrift gibt uns diesen Einblick. Dass dies nicht nur früher so war, belegt Off 17,17 sehr deutlich. Bei Nebukadnezar hat es allerdings sieben Jahre gedauert, bis er zu dieser Einsicht kam …

Weitere Stellen vom kommenden Reich finden wir in Dan 7. Dort hat Daniel eine Vision, indem er vier große Tiere aus dem von den vier Winden des Himmels aufgewühlten Meer steigen sieht (In Off 13 sieht ebenso Johannes das letzte dieser Tiere aus dem Meer aufsteigen). Hier in Dan 7 sind es ebenfalls wieder vier Reiche, wie schon in Kapitel 2, wie der Engel erklärt. Dieses Mal wurden ihm jedoch andere Aspekte gezeigt, die ihn so sehr ängstigten, dass sich sogar seine Gesichtsfarbe veränderte. Und doch ist dreimal davon die Rede, dass „die Heiligen des Höchsten das Reich empfangen werden bis in die Ewigkeit der Ewigkeiten“. Zuvor jedoch ist von einer schrecklichen Zeit der Trübsal die Rede. Und ebenfalls bevor die Heiligen des Höchsten das Reich in Besitz nehmen, erscheint einer wie der Sohn eines Menschen, der von dem, der alt an Tage war und auf dem Thron sitzt, alles empfängt:

… und er kam zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn vor ihn. Und ihm wurde Herrschaft und Ehre und Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum so, dass es nicht zerstört wird (Dan 7,13b-14)

Danach erfährt Daniel von dem Engel:

Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich empfangen, und sie werden das Reich besitzen bis in Ewigkeit, ja, bis in die Ewigkeit der Ewigkeiten (Vers 18)

…bis der, der alt an Tagen war, kam und das Gericht den Heiligen des Höchsten gegeben wurde und die Zeit anbrach, dass die Heiligen das Königreich in Besitz nahmen (Vers 22)

Und das Reich und die Herrschaft und die Größe der Reiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen. (Vers 27)

Wenn man das alles so betrachtet, erscheint es mir nicht verwunderlich, dass die Jünger und das Volk Israel insgesamt erwarteten, dass mit dem Erscheinen des Messias diese Zeit anbrechen würde, Zumal es noch weitaus mehr Stellen gibt, die von seiner ewigen und weltumspannenden Herrschaft Zeugnis geben. Demnach würde der Messias als König auf dem Thron Davids sitzen und von Jerusalem aus die ganze Welt regieren. Ich glaube, dass es auch so geschehen wird, wenn die Zeit erfüllt ist.

Davon reden meiner Ansicht nach zum Beispiel Micha 4,1-4 und Jesaja 2,2-4, Texte, die sich kaum unterscheiden. Ich zitiere hier Jesaja 2:

Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des HERRN feststehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs, dass er uns aufgrund seiner Wege belehre und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Nationen und für viele Völker Recht sprechen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht mehr wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.

Wenn man hierzu die Beschreibung des neuen Jerusalem liest, wie sie in Off 21-22 zu finden ist, sind gewisse Parallelen unverkennbar. Dazu gehört dann auch noch Hes. 48, wo sich ebenfalls viele Gemeinsamkeiten mit Off 21-22 finden. Einige Worte daraus sind am Schluss dieser Darlegung zu finden.

Psalm 110

Auf die Zeugnisse Gottes über den Herrn Jesus, bin ich an anderer Stelle ausführlich eingegangen. Einige davon finden sich in Psalm 110, den ich nun etwas genauer betrachten möchte. Der erste Vers dieses Psalms wird im NT so oft wie kein anderer Vers aus dem AT zitiert, von den verschiedensten Autoren. Der ganze Psalm lautet:

1 Spruch des HERRN für meinen Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde gemacht habe zum Schemel deiner Füße!

2 Den Stab deiner Macht wird der HERR aus Zion ausstrecken. Herrsche inmitten deiner Feinde!

3 Dein Volk ist voller Willigkeit am Tage deiner Macht. In heiliger Pracht, aus dem Schoß der Morgenrötehabe ich dich wie Tau gezeugt.

4 Geschworen hat der HERR, und es wird ihn nicht gereuen: "Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks!"

5 Der Herr zu deiner Rechten zerschmettert Könige am Tag seines Zorns.

6 Er wird richten unter den Nationen, er füllt Täler mit Leichen. Das Haupt über ein großes Land zerschmettert er.

7 Auf dem Weg wird er trinken aus dem Bach, darum wird er das Haupt erheben.

 

Der Reihe nach möchte ich nun darauf eingehen:

1 Spruch des HERRN für meinen Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde gemacht habe zum Schemel deiner Füße!

Auch der Herr Jesus zitiert diesen Vers, um den Pharisäern eine Frage zu stellen: Er spricht zu ihnen: Wie nennt David ihn (den Messias) denn im Geist Herr, indem er sagt: "Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege unter deine Füße"? Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er sein Sohn? (Mt 22,43-45). (Zunächst sei angemerkt: Im AT steht: „Der HERR sprach zu meinem Herrn …“ bzw. „Spruch des HERRN für meinen Herrn …“. Wo in guten Übersetzungen im AT HERR (in Großbuchstaben) steht, stand im hebräischen Original JHWH, also der Eigenname Gottes und somit: „Spruch JHWHs für meinen Herrn …“.)

Mir ist nicht bekannt, dass diese Frage, die Jesus den Pharisäern stellte, in der Bibel jemals direkt beantwortet wird, aber es ist meines Erachtens leicht erkennbar, dass Jesus von Gott zu seiner Rechten erhoben wurde und somit höher ist als sein Vater David, zumal die Königsherrschaft Jesu umfänglicher sein wird, als die von David, und zudem endlos.

 

2 Den Stab deiner Macht wird der HERR aus Zion ausstrecken. Herrsche inmitten deiner Feinde!

Die Macht und Herrschaft Jesu kommt von Gott, JHWH, sie kommt also nicht aus Jesus selbst („Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden…“). Das Zentrum dieser Machtausübung wird Jerusalem sein (das neue Jerusalem, auf das angemessen einzugehen leider den Rahmen hier sprengen würde). Und zu dem Zeitpunkt, wo der Herr Jesus die Macht bekommt, gibt es noch Feinde, Nationen, die ihre Herrlichkeit (ihren Tribut) an diese heilige Stadt entrichten werden und zugleich Heil und Licht von ihr empfangen (Off 21,24+26 und 22,2).

 

3 Dein Volk ist voller Willigkeit am Tage deiner Macht. In heiliger Pracht, aus dem Schoß der Morgenröte habe ich dich wie Tau gezeugt.

Hierzu lasse ich die Bibel gerne selbst reden: „Diese haben einen Sinn und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. Diese werden mit dem Lamm Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden; denn es ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Treue.“ (Off 17,13-14).

Die Bildrede von der Zeugung wie Tau vermag ich hingegen noch nicht klar zu deuten.

 

4 Geschworen hat der HERR, und es wird ihn nicht gereuen: "Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks!"

Melchisedek erscheint in der Bibel zuerst in 1.Mo 14, wo er Abraham entgegenging und ihn segnete, dann hier in Psalm 110, sonst jedoch nirgends im AT. Im NT wird er als Vorbild auf den Herrn Jesus hin beschrieben aufgrund dieser beiden Stellen im AT bzw. dem Eidschwur Gottes in diesem Vers. In Hebr. 4, 5, 6 und 7 wird das ausführlich thematisiert (sehr empfehlenswert zu lesen).

Somit hat Jesus sowohl das Königtum als auch das Priestertum in Ewigkeit inne. Und daran lässt er ebenfalls seine Nachfolger teilhaben, wie geschrieben steht: „Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (Off 1,5-6) Und ebenso erklingt es in Off 5,9-10: „Und sie singen ein neues Lied und sagen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast durch dein Blut für Gott erkauft aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation, und hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!

 

5 Der Herr zu deiner Rechten zerschmettert Könige am Tag seines Zorns.

Der Herr Jesus, der sich für immer zur Rechten Gottes gesetzt hat, ist kein „Softie“, wie er oftmals dargestellt wird, denn er wird die Nationen hüten mit eisernem Stab, wie Psalm 2,9 ankündigt: Mit eisernem Stab magst du sie zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen."

Dasselbe werden auch die Überwinder tun, was der Herr Jesus ihnen in Off 2,26-28 verheißt: „Wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, dem werde ich Macht über die Nationen geben; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, wie Töpfergefäße zerschmettert werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe; und ich werde ihm den Morgenstern geben.“

Noch zwei weitere Male wird dem Herrn Jesus dieses Tun zugeschrieben im Buch der Offenbarung, zunächst als Wesensmerkmal in Off 12,5: Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron.

Ferner als der Reiter auf dem weißen Pferd, dem die Heere des Himmels folgen, in Off 19,15: Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er mit ihm die Nationen schlage; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen. Was ein eiserner Stab mit Töpfergeschirr macht, kann sich wahrscheinlich jeder leicht vorstellen. Falls nicht, dann probiert es zuhause mal am Geschirrschrank aus (bitte nicht hier bei uns 😊)

 

6 Er wird richten unter den Nationen, er füllt Täler mit Leichen. Das Haupt über ein großes Land zerschmettert er.

Da muss ich zuerst an Hes 39,11 denken: „Und an jenem Tag wird es geschehen, da werde ich dem Gog einen Ort geben, wo in Israel ein Grab für ihn ist: das Tal Abarim, östlich vom Meer; und es wird den Durchreisenden den Weg versperren. Und dort werden sie Gog und seinen ganzen Prunk begraben, und sie werden es nennen: ‚Tal Hamon Gog‘.“ Dabei geht es um den Fürsten über ein großes Land im äußersten Norden, der mit all seinen Verbündeten in Israel einfallen und dort durch Gottes Gericht zu seinem endgültigen Fall kommen wird.

Ganz ähnlich klingt es in Off 20,7-10, auch hier geht es um Gog und Magog: „Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werde und wird hinausgehen, die Nationen zu verführen, die an den vier Ecken der Erde sind, den Gog und den Magog, um sie zum Krieg zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand des Meeres. Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umzingelten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt; und Feuer kam aus dem Himmel herab und verschlang sie. Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier als auch der falsche Prophet sind; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

 

7 Auf dem Weg wird er trinken aus dem Bach, darum wird er das Haupt erheben.

Was hiermit gemeint ist, kann ich nur vermuten:

  • Wird es eine einfache natürliche Stärkung sein im Gegensatz zum unbesonnenen Schwur Sauls beim Kampf gegen die Philister (1.Sam 14,24)?
  • Ist es eine Bildrede für eine andere Stärkung, die „auf dem Weg“ liegt?
  • Ist es ein Hinweis auf das Wasser des Lebens / den Strom des Lebens, von dem sowohl in Hes 48 als auch in Off 22 die Rede ist?

Ich weiß es nicht, aber bin sicher, dass auch dies erfüllt werden wird, denn Gott wacht nach seinen eigenen Worten über sein Wort, um es zu tun (Jer. 1,12).

 

Gedanken zum Schluss

Nun bleiben hier sicherlich viele Fragen offen und viele Dinge wurden aus Zeitgründen nicht angesprochen, die aber von großer Bedeutung sind für das kommende Reich Gottes. Wenn aber durch meine Ausführungen Fragen und Interesse daran entstanden sind, ist das gut, und ich wünsche allen, dass Gott Euch im Nachdenken und Nachforschen in der Heiligen Schrift mehr und mehr die Augen dafür öffnet, wo überall vom Reich Gottes, der Königsherrschaft Gottes durch seinen Gesalbten, den Herrn Jesus als dem Haupt und dem Volk der Heiligen als seinem Leib, die Rede ist. Davon sind die beiden letzten Kapitel der Bibel besonders ausgefüllt, indem dort das neue Jerusalem beschrieben wird. Aber das ist „nur“ der Gipfel, denn bereits der gesamte geoffenbarte Weg dorthin ist voller „Aussichtspunkten und Erquickungen“. Saugt förmlich die Heilige Schrift auf, denn darin ist dieses Brot, von dem wir leben, und das frische Wasser, an dem wir gepflanzt sein sollen, um anderen Nahrung und Heilung zu bringen, um Psalm 1 und Offenbarung 22 zusammen zu führen.

Einige Aussagen der Heiligen Schrift über das neue Jerusalem, welche vieles von dem zuvor genannten wiederholen, möchte ich hier nennen. Ich zitiere auszugsweise:

Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, damit sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Lampe ist das Lamm. Und die Nationen werden in ihrem Licht wandeln, und die Könige der Erde bringen ihre Herrlichkeit zu ihr. […] Und er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes. […] In der Mitte ihrer Straße und des Stromes, diesseits und jenseits, war der Baum des Lebens […] und die Blätter des Baumes sind zur Heilung der Nationen […] der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten, und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Off 21,23 – 22,5)

 

Der Herr Jesus Christus ist jetzt im Himmel zur Rechten Gottes. Wie lange?

Bis zur Zeit der Wiederherstellung aller Dinge,

von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat (Apg 3,21).

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