12. Ist Jesus GOTT, weil er angebetet worden ist?

(Is Jesus God Because He Was Worshipped?)
von Servetus the Evangelical

In der christlichen Anbetung hat die Frage, ob Jesus GOTT ist oder nicht, eine große Rolle gespielt. Das Neue Testament berichtet von bestimmten Begebenheiten, in denen Jesus „angebetet“ worden ist. Weil nur GOTT angebetet werden soll, haben Christen in diesem Verhalten weitgehend den Beweis gesehen, dass diese Menschen geglaubt hätten, dass Jesus GOTT ist. Wir wollen nun untersuchen, was „anbeten“ bedeutet. Das Wort, das im griechischen Neuen Testament gewöhnlich mit „anbeten“ übersetzt wird, ist proskuneo. Dieses und die von ihm abgeleiteten Worte kommen 61 Mal im griechischen NT vor. Am häufigsten finden wir diese im Matthäusevangelium und in der Offenbarung. Etymologisch ist proskuneo aus pros, eine „Bewegung“, die „von“ einem oder „zu“ einen Objekt gerichtet ist, und kuneo, „küssen“ zusammengesetzt. Walter Bauer, der Verfasser des Griechisch-deutschen Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur teilt uns mit, dass proskuneo „benutzt worden ist, um die übliche Praxis des Niederwerfens vor einem Menschen und des Küssens seiner Füße, des Saums seines Gewands, des Bodens etc. zu beschreiben.“ Er fügt hinzu, dass proskuneo mit „(niederfallen und) anbeten, Ehrerbietung erweisen, sich vor jemandem niederwerfen, jemanden verehren, ergeben grüßen“ übersetzt werden kann.

Deshalb bezeichnet das griechische Wort proskuneo im Altertum nur eine körperliche Aktion. Es weist entweder auf die orientalische Sitte des Kniefalls hin, i. S. eines sich Verbeugens durch ein Niederknien oder Niederfallen. Wer solches getan hat, hat jedoch eine dieser beiden Körperhaltungen gegenüber einem Höheren eingenommen, um damit eine demütige Haltung des Respekts, der Ehrerbietung und vielleicht der Unterwerfung im Sinne der Bereitschaft, sich dem Willen dieses Höheren zu beugen, zu zeigen. Sehr häufig haben diese Menschen proskuneo gegenüber denjenigen gezeigt, die eine Machtposition innehatten, speziell gegenüber Königen. Diese Körperhaltungen haben gewöhnlich nicht mehr gezeigt, als eine demütige Unterwerfungsgeste.

Im Gegensatz dazu bezeichnet unser Wort „anbeten“, ganz gleich, ob es nun als Substantiv oder Verb gebraucht wird, nicht diese körperliche Handlung. Daher ist es auch keine angemessene Übersetzung des Wortes proskuneo. Desweiteren hat unser Wort „anbeten“ definitionsgemäß einen weit größeren Bedeutungsbereich. Daher kann die Übersetzung des Wortes proskuneo im NT mit „anbeten“ mehrdeutig, wenn nicht sogar irreführend sein. Wenn ein Verfasser eines Evangeliums sagt, dass jemand proskuneo Jesus gegenübergetreten ist, dann zeigen die Bibelübersetzer ausnahmslos ihre Voreingenommenheit, wenn sie dieses mit „anbeten“ übersetzen und dadurch suggerieren, dass dieser Mensch geglaubt hat, dass Jesus entweder „göttlich“ oder „GOTT“ sei. Wenn die Evangelisten aber berichten, dass ein Mensch gegenüber einem anderen Zeitgenossen als Jesus proskuneo gezeigt hat, dann übersetzen die gleichen Übersetzer dieses mit „beugte sich nieder“, „beugte die Knie“ oder „fiel vor ihm nieder“. Sie übersetzen dieses Wort also auf zweierlei Weise: Mit „anbeten“, wenn es gegenüber Jesus geschehen ist, wenn es aber gegenüber einem anderen geschehen ist, nur als eine körperliche Handlung.

Matthäus hat deutlich herausgestellt, dass die Macht, die Jesus hatte, Kranke zu heilen, nicht seiner Natur immanent gewesen ist, sondern dass er sie von GOTT (dem Vater) erhalten hat. Als Jesus zum Beispiel den Gelähmten geheilt hat, den seine Freunde durch das Dach heruntergelassen hatten, fügt Matthäus an: „Als aber die Volksmenge das sah, verwunderte sie sich und pries GOTT, DER solche Macht den Menschen gegeben“ (Matth 9, 8). Matthäus weist in seinem Bericht ausdrücklich also darauf hin, dass diese Menschen wegen dieses Heilungswunders nicht geglaubt haben, dass Jesus GOTT ist, sondern dass GOTT Jesus die Macht und Fähigkeit gegeben hat, diesen Mann zu heilen. Sie haben GOTT gepriesen, weil sie richtig gewusst oder erkannt hatten, dass ER letztendlich bewirkt hat, dass dieses geschehen konnte.

Der Schreiber des Hebräerbriefes hat sieben alttestamentliche Zitate aufgelistet, um zu beweisen, dass Jesus höher als die Engel ist (Hebr 1, 5-13). Viele Christen haben eines davon als Hinweis angeführt, dass Jesus GOTT ist. Es ist das Zitat aus 5. Mo 32, 43 aus der Septuaginta (dem griechischen AT). Dort heißt es: „Es sollen ihn alle Engel GOTTES anbeten!“ (V. 6). Der Schreiber des Hebräerbriefes hat sehr wahrscheinlich gemeint, dass die Engel des Himmels Jesus in der gleichen Weise ehren werden, die Paulus in Phil 2, 10 beschrieben hat, wo er von dem erhöhten Jesus sagt, „dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“ Das heißt, dass in dem vollendeten Königreich alle bei der öffentlichen Ausrufung des Namens Jesu auf die Knie fallen werden, was aber nicht notwendigerweise darauf hindeutet, dass er GOTT ist.

Die Offenbarung liefert uns anschauliche und bemerkenswerte Berichte von Engeln, die im Himmel GOTT und Jesus Ehre erweisen. Aber in allen Fällen üben sie pipto aus, gefolgt von proskuneo, wobei es nicht eindeutig ist, ob sie Jesus im Sinne eines Gottseins anbeten. Maurice Casey besteht darauf, dass Jesus Christus in diesem Buch „nicht wirklich als Göttlicher gefeiert wird, auch nicht in den Bildern, in denen er im Himmel gepriesen wird.“

Zweimal schreibt Johannes, der Verfasser der Offenbarung, von dem Engel, der diese Offenbarungen an ihn weitergeleitet hat, dass er vor ihm auf die Füße gefallen ist, um ihn „anzubeten“ (proskuneo). Aber beide Male hat der Engel Johannes diese Handlung verboten und gesagt: „Bete GOTT an!“, das heißt den Vater (Off 19, 20; 22, 9). Der Engel muss darin mehr gesehen haben, als eine Handlung der Ehrerbietung. Dies wirft die Frage auf, ob nur GOTT oder nicht auch Jesus in diesem Sinne angebetet werden sollte.

Sir Isaak Newton ist ein ehrfürchtiger Christ gewesen, der mehr über Theologie als über Naturwissenschaften geschrieben hat. Sein oberster Glaubensgrundsatz lautete: „Immer wenn in der Schrift gesagt wird, dass es einen GOTT gibt, dann meint sie den Vater.“ Meistens hat er als Unterstützung dafür 1. Kor 8, 6 zitiert. Dort heißt es: „So haben wir doch nur einen GOTT, den Vater, … und einen Herrn, Jesus Christus.“ Er erklärt: „Es ist uns verboten, zwei Götter anzubeten, aber es ist uns nicht verboten, einen GOTT und einen Herrn anzubeten. Der Antitrinitarier Newton hat auch Grade der Anbetung unterschieden. Er hat GOTT als dem Schöpfer die höchste Anbetung zugemessen und Jesus als dem Beauftragten GOTTES in der Schöpfung und in der Erlösung eine geringere. Er hat gefolgert, dass eine gleiche Anbetung von zwei oder mehreren Wesen, so wie es in der Lehre von der Dreieinigkeit vorgesehen ist, ein Verstoß gegen das erste der Zehn Gebote und damit Götzendienst ist.

Abschließend lässt sich sagen, dass eine zunehmende Zahl konservativer Neutestamentler heute anerkennt, dass das proskuneo, das in den Evangelien Jesus gegenüber zum Ausdruck gebracht worden ist, nicht notwendigerweise darauf hinweist, dass diejenigen, die das praktiziert haben, auch geglaubt haben, dass er GOTT ist. Der Trinitarier D.A. Carson warnt mit Bezugnahme auf das Matthäusevangelium, dass „es sehr zweifelhaft ist, wenn proskuneo allein oder in Verbindung mit pipto (niederfallen) mehr sagen soll, als Verbeugung und Ehrerbietung.“ Und J. Lionel North versichert, dass es im Neuen Testament „nichts“ gibt, „ was von uns den Schluss verlangt, dass Jesus als Gott angesehen werden muss, weil er angebetet worden ist.“ Wendy North und Loren T. Stuckenbruck kommen zu dem Schluss, dass „man aus dem Neuen Testament lernen sollte, dass „Anbetung“ ein zu unpräzises Wort ist, um damit zwingendermaßen zu dem Ergebnis kommen zu müssen, dass Jesus göttlich ist.“

Dieser Artikel stammt von Kermit Zarley (Servetus the Evangelical). Auf seiner Webseite – servetustheevangelical.com – kann man 50 solcher Artikel in englischer Sprache lesen. Sie sind eine Zusammenfassung seines sorgfältig recherchierten, biblisch in die Tiefe gehenden, 600-seitigen Buches mit dem Titel: The Restitution of Jesus Christ (2008)

 

   

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